Sylvia Geszty

Singen ist das Natürlichste und Schönste auf der Welt. Es befreit, tröstet, stimuliert und bereichert. Jeder Mensch, der singt, hat mehr vom Leben.

Singen fängt dort an, wo Sprache allein nicht mehr ausreicht, Gefühle auszudrücken. Singen muß demnach auf dem Sprechen aufgebaut werden. Man spricht von verschiedenen Gesangstechniken. Ich kenne nur diejenige, die uns die Natur zeigt; so wie beim Gehen ein natürlicher Vorgang ist, ein Bein vor das andere zu stellen.

Warum soll mein Körper beim Singen anders funktionieren als beim Sprechen?

Selbstverständlich kann ich auch meinen Gang auf verschiedene Art verändern: breitbeinig, im Kreuzschritt, im Stechschritt gehen usw., aber es wird natürlich lustig – gar lächerlich wirken. Genauso verhält es sich mit dem Singen: durch Künstliches entsteht noch keine Kunst.

Das natürliche Singen ist am schönsten aber am schwersten. Wir wissen, dass die Natürlichkeit nicht nur beim Singen am allerschwersten ist, und um dahin zu gelangen, benötigt man viel Zeit und Geduld. Ein Kleinkind atmet richtig, stützt richtig, wenn es schreit. Aber schon im Kindergarten verliert sich diese Natürlichkeit.

Weil bei Sängern der eigene Körper das Instrument ist, das aber keine feste Form hat, muß man immer von Fall zu Fall die richtige Haltung finden, um am schönsten, leichtesten und natürlichsten singen zu können. Die richtige Sängerhaltung ist ein gerader Rücken, gerader Kopf, Knie nie durchgedrückt und die Gesäßmuskulatur gespannt, quasi eine Bereitstellung.

Ich bin davon überzeugt, dass viele Gesangsstudenten gerettet werden könnten, wenn man sie von Anfang an mit dem natürlichen Gesang vertraut machen würde.

Ich bin davon überzeugt, dass viele Gesangsstudenten gerettet werden könnten, wenn man sie von Anfang an mit dem natürlichen Gesang vertraut machen würde.